DAS Journal

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MONTAGSREIHE.

Einblicke in kreative Berufswelten.


Endlich geht es los! Die erste Folge der Montagsreihe startet gleich mit einem ganz wunderbaren Beitrag aus dem Hause "Ippolito Fleitz Group" (IFG).

Für mich als Architektin und Innenraumgestalterin ist dieses international arbeitende Designbüro auch immer wieder Inspirationsquelle. Schon früh faszinierte mich die interdisziplinäre Arbeitsweise.


Um so mehr freue ich mich, das sich Timo Flott von der IFG den Fragen der Montagsreihe stellt und ehrliche sowie spannende Einblicke gibt.



Roman Klis Design - Office Herrenberg

Foto: Philip Kotlorz



Lieber Herr Flott, bitte erzählen Sie uns kurz etwas über sich.

Ich bin 34 Jahre alt, komme gebürtig aus der Pfalz, lebe und arbeite mittlerweile in Stuttgart und bin verheiratet.


Können Sie uns ein wenig zu ihrem beruflichen Werdegang sagen?

Ich habe in Kaiserslautern Innenarchitektur studiert. Während dieser Zeit war ich als Praktikant bei der Ippolito Fleitz Group, habe dort sogar über das Pflichtpraktikum hinaus gearbeitet und bin dann zurück an die Uni, um meinen Masterabschluss zu machen. Mit den Erfahrungen aus meinem Auslandsaufenthalt in Kopenhagen und dem Abschluss in der Tasche ging es dann wieder zurück zur IFG – und dort bin ich bis heute. Aktuell bin ich als Design Director tätig.


Wie sind Sie dazu gekommen?

Dass ich einen gestalterischen Beruf ergreifen möchte, stand für mich recht schnell fest. Mein Vater ist Fotograf, mein Großvater war Stuckateur. Dinge wie Ästhetik, Proportionen und Formsprache begleiten mich daher schon lange, aber auch das Handwerkliche, etwas mit den Händen machen, etwas erschaffen. Nach dem Abitur habe ich mich für zwei Studienplätze beworben: Innenarchitektur und Virtual Design. Dann wurde ich für beide genommen und habe nach Bauchgefühl entschieden.



Roman Klis Design - Office Herrenberg

Foto: Philip Kotlorz



Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Studium etwas mit Ihrem Beruf zu tun hat?

Auf jeden Fall! Ich habe viele technische Grundlagen gelernt, aber auch die Fähigkeit, gestalterische Fragen aus Ästhetik und persönlichem Empfinden heraus zu beantworten. Diese Basics werden in der Arbeit mit Kunden dann aber nochmal ganz neu herausgefordert. Hier spielen Budget, Kundenwünsche und Entscheidungsstrukturen eine ganz große Rolle. Auf der Hochschule sind die Kontexte limitiert, im Beruf hingegen arbeiten wir multiperspektivisch. Das lässt sich nur bedingt theoretisch lernen, deshalb sind die Praxisphasen auch fester Bestandteil des Innenarchitekturstudiums.


Welche Fähigkeiten benötigt man, um als Innenarchitekt zu arbeiten?

Neben den angesprochenen gestalterischen Kompetenzen sind es in der Arbeitswelt auch die Soft Skills, die entscheidend sind. Ich muss Ideen gut präsentieren und verständlich kommunizieren und aus kritischen Impulsen konstruktive Lösungen entwickeln können.


Roman Klis Design - Office Herrenberg

Foto: Philip Kotlorz



Wie kommen Sie an neue Projekte?

Wir sind präsent, nehmen Teil an den Diskursen über Gesellschaft, Arbeitswelten, Wohnen. Eine gute Kundenbetreuung ist uns wichtig, wir pflegen lange und erfolgreiche Partnerschaften. Und schließlich sagen wir zu vielem ja-vom Raumteiler bis zum Regierungspalast. Wir sind unglaublich neugierig und arbeiten in vielen verschiedenen Kontexten.


Wie beginnen Sie mit einem neuen Projekt?

Ich setze mich zunächst ganz grundlegend mit dem Kunden und der Aufgabe auseinander und versuche, die richtigen Fragen zu stellen. Mir ist es wichtig, dem Kunden auf Augenhöhe zu begegnen. Es ist nicht so „ich bin der Designer und erzähle dir, was richtig ist“-ganz und gar nicht. Jedes Projekt beginnt mit dem Verstehen des Kunden. Dann erst können wir die räumliche Antwort auf seine Fragen erarbeiten.




Roman Klis Design - Office Herrenberg

Foto: Philip Kotlorz



Mit welchen Tools arbeiten Sie?

Für Präsentationen nutzen wir InDesign. Unsere Visualisierungen entstehen zu 99 % digital, da arbeiten wir mit Vectorworks, 3D Sketchup, 3ds Max und Enscape.


Was benötigen Sie, um gut arbeiten zu können?

Am meisten brauche ich Ruhe und einen aufgeräumten Schreibtisch. Ich bereite mich gerne erst mal allein vor und gehe danach in den Austausch. Ruhe heißt für mich auch eine Nacht über ein schwieriges Problem zu schlafen. Ideen müssen wachsen und Gestaltung ist immer ein offener Prozess, in dem wir gemeinsam mit unseren Kunden Ideen und Richtungen ausprobieren.


Welches war bisher Ihr spannendstes Projekt?

Mit Roman Klis und seiner Designagentur in Herrenberg haben wir einen Kunden auf absoluter Augenhöhe. Unser Headquarter für Roman spiegelt genau seinen Anspruch und seine Eigenwahrnehmung wider: offen, kommunikativ, detailverliebt. Wir haben das fertige Büro letztes Jahr gemeinsam besucht und ich kann sagen: Beide Seiten sind hochzufrieden. Das war nur durch das enorme gegenseitige Vertrauen möglich und eine solche Arbeitsbeziehung ist für beide Seiten sehr produktiv und befriedigend.



Roman Klis Design - Office Herrenberg

Foto: Philip Kotlorz



Was gefällt Ihnen besonders gut an Ihrer Arbeit?

Ich liebe, dass es immer wieder Neues gibt. Neue Kontexte, neue Teamkonstellationen, neue Kunden. Diese vielen Perspektivwechsel machen den Arbeitsalltag extrem abwechslungsreich. Alles was wir tun, hat mit Gesellschaft zu tun, mit Fragen nach aktuellen und kommenden Formen von Arbeiten, Wohnen, Leben. Diese Fragen stellen wir uns als diverses Team mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, Nationalitäten und Denkweisen. So brechen wir aus den eigenen Stereotypen aus. Das ist nicht nur beruflich richtig bereichernd, sondern auch für mich als Mensch.


Gibt es auch Schattenseiten?

Die Arbeit zieht viel Verantwortung mit sich, mein Beruf ist definitiv kein nine to five. Wenn ich sage, dass ich über ein Problem gerne auch mal eine Nacht schlafe, dann heißt das eben auch: Dieses Problem habe ich dann mit nach Hause genommen. Umso wichtiger ist es, dass ich mir Freiräume schaffe.



Roman Klis Design - Office Herrenberg

Foto: Philip Kotlorz



Mit welchem Designer oder Architekten würden Sie gerne mal Essen gehen?

Spontan würde ich sagen: mit Ilse Crawford oder Patricia Urquiola. Weil beide sehr unterschiedlich sind in dem, was und vor allem wie sie gestalten. Da würde ich unglaublich gerne hinter die Kulissen blicken. Wie gehen sie an ihre Aufgaben ran? Wo unterscheiden sich unsere Sichtweisen? Da geht es gar nicht so sehr um Vorbilder im Sinne eines Nacheiferns, sondern vielmehr um eine produktive Reibungsfläche. Die besten Gespräche sind die, in denen ich sowohl mich als auch mein Gegenüber am Ende besser verstehe.


Lieben Dank Herr Timo Flott für das schöne Interview.



Timo Flott, Design Director bei Ippolito Fleitz Group




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