DAS Journal

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MONTAGSREIHE.

Aktualisiert: 5. Apr.

Einblicke in kreative Berufswelten.


Ich freue mich riesig über die zweite Folge der Montagsreihe. Es geht spannend weiter. Mit einer wahren POWERFRAU! Marion Hellweg. Creative mind at its best.

Chefredakteurin des Magazins "LIVING & more" und Gestalterin sind nur einige Aufgabenbereiche.


Aber lest selbst, welche Berühmtheiten Marion schon treffen durfte oder wie Sie als "working-mum" alles unter einen Hut bekommt.



Foto: Marion Hellweg



Liebe Marion, bitte erzähle uns kurz etwas über dich.

Ich bin 48 Jahre alt und lebe mit meiner 12jährigen Tochter Florentine und Tigerkatze Resi in einer denkmalgeschützten Altbauwohnung mitten in München.


Eine gesunde Work-Life-Balance ist mir sehr wichtig. Einen Ausgleich finde ich im Laufen. Ich laufe mindestens viermal die Woche – und trainiere für Marathon Wettkämpfe. Vor kurzem habe ich das Boxen angefangen, was mir irre viel Spaß macht. Im Winter findet man mich jedes Wochenende auf oder neben der Piste beim Skifahren und Freeriden. Überhaupt ist Sport (am liebsten an der frischen Luft) für mich der ideale Ausgleich zu meinem straffen Alltag als alleinerziehende Working-Mum.


Außerdem bin ich ein riesen Musik Nerd. Musik ist mein Leben. Vor allem Punk, Metal und Hardcore. Je härter umso besser. Und ich liebe es, mich auf Konzerten ordentlich austoben zu können. Seit zwei Jahren ja leider nicht möglich, aber ich hoffe, das kommt jetzt bald wieder. Ich vermisse es nämlich wie die Hölle, mit anderen Menschen Musik live in der Gemeinschaft zu erleben – und die Endorphine im Kollektiv zu teilen.



Foto: Sarah Domandl / Saripicture


Kannst Du uns ein wenig zu deinem beruflichen Werdegang sagen?

Ich bin gelernte Schreinerin und Restauratorin (die Ausbildung habe ich direkt nach dem Abitur absolviert), habe anschließend ein paar Jahre als Szenenbildnerin beim Film gearbeitet, und habe auch so vieles quer Beet ausprobiert. Ich denke eh, dass man als junger Mensch, der dem Leben neugierig gegenüber steht, auf „try and error“ setzen muss, um eine Ahnung davon zu bekommen, wohin die Reise gehen soll – privat wie beruflich.


Vor Florentines Geburt habe ich viele Jahre in einem Verlag in München als Chefredakteurin gearbeitet – und mich dann selbstständig gemacht. Heute bin ich happy, dass ich mein eigenes Kreativ- und Redaktionsbüro habe und meine Arbeitswelt weitestgehend selbst gestalten und bestimmen kann. Ich bin unter anderem derzeit als Chefredakteurin der Zeitschrift „Living & More“ tätig und Buchautorin von mittlerweile 26 Büchern, die ich in den vergangenen zehn Jahren geschrieben und herausgebracht habe. Ich arbeite aber auch gestalterisch und beratend für Kunden in der Möbel-Welt und Hotellerie, konzipiere und visualisiere Website-Designs und Texte, außerdem richte ich als Interior-Designerin Häuser und Wohnungen ein.


Wie bist du dazu gekommen?

Wie ich Chefredakteurin geworden bin? Mit Ende zwanzig bin ich auf die Journalisten-Schule und habe gleich im Anschluss als Redakteurin in einem großen Münchner Verlag angefangen. 2 Jahre später war ich dort Chefredakteurin von zwei Wohn-Magazinen (da war ich 30 und die jüngste Chefredakteurin im Verlag). Und da mir diese Arbeit wirklich großen Spaß macht, bin ich dabei geblieben.



Foto: Marion Hellweg


Hast Du das Gefühl, dass Deine Ausbildung etwas mit Deinem Beruf zu tun hat?

Meine Ausbildung als Schreinerin hatte zwei Vorteile für meinen späteren Beruf als Chefredakteurin und Buchautorin im Bereich Wohnen, Design und Architektur: Ich habe als Lehrling natürlich „Lehrlingsgeld“ bezahlt, was heißt, ich weiß, was es heißt, als Frau hart zu arbeiten und sich nach oben zu kämpfen – in einer Männer dominierten Welt (wie u.a. Schreiner und in einem Verlag). Und das hat mich stark und robust gemacht. Denn keine Arbeitswelt ist immer fair zu dir und fasst dich mit Samthandschuhen an. Man braucht Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen, um weiterzukommen.


Außerdem weiß ich, wovon ich rede, wenn ich über Möbel und Einrichtung schreibe, weil ich selbst als Schreinerin Ahnung davon habe, was ein gutes Möbelstück wirklich ausmacht. Ich war auch ein paar Jahre Mitglied der Jury für den Award „Die gute Form“.


Welche Fähigkeiten benötigt man, um als Chefredakteurin und Autorin zu arbeiten?

Ich selbst bezeichne mich als Journalistin, selten als Chefredakteurin oder Buchautorin, wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde. Denn das ist es ja, was ich nach der Ausbildung zur Schreinerin final gelernt habe. Was man dafür braucht?


In erster Linie: Neugierde! Denn man muss sich immer wieder aufs neue an Themen heran wagen, die einem evtl. fremd sind und mit denen man sich (noch) nicht so gut auskennt. Und man muss alles und jeden hinterfragen – und darf sich nicht nur auf eine einzige Meinung oder Quelle verlassen. Soviel zum Thema „Gegenrecherche“ und gute journalistische Arbeit. Darüber hinaus muss man sehr kommunikativ und offen sein, denn letztendlich geht es darum, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und den Dialog zu suchen. Ob im Interview oder mit Kollegen (oder Kunden).



Foto: Marion Hellweg


Wie kommst Du an neue Projekte?

Ich habe im Laufe der Jahre ein riesiges Netzwerk aufgebaut: andere Journalisten, Autoren, Redaktionen, kreative Menschen, Agenturen, Verlage, Fotografen, Designer,... die Liste ist endlos.


Es geht nichts über ein solides und gut funktionierendes persönliches Netzwerk. Ohne das ist man mittlerweile aufgeschmissen – meiner Meinung nach gilt das für jeden Beruf.


Mittlerweile ist es bei mir meist so, dass ich für neue Aufträge angefragt werde – und nur noch selten selbst akquirieren muss.


Wie beginnst Du mit einem neuen Projekt?

Ich sehe das Projekt in seiner Gesamtheit vor mir, heißt z.B bei der Gestaltung einer neuen Ausgabe von Living & More oder eines neuen Buchs, dass ich das Endergebnis vor meinem inneren Auge visualisiere. Ich habe eine genaue Vorstellung davon, wie alles final auszusehen und zu sein hat. Und darauf arbeite ich dann gezielt hin. Ich arbeite also nicht einfach munter ins Blaue drauflos, sondern ich bin sehr organisiert und strukturiert – und auch sehr diszipliniert.


Mit welchen Tools arbeitest Du?

Ich arbeite mit den Verlagen auf InDesign, das ist eigentlich die gängigste Form. Fast alle großen deutschen Verlagshäuser arbeiten mit diesem Kreativ-Programm. Ich sage meinen Grafikern, wie ich mir die Layouts vorstelle, manchmal layoute ich auch selbst. Und ich schreibe die Texte direkt ins Indesign Dokument. Eigentlich brauche ich dafür nur ein Laptop oder meinen MacMini (plus kalibrierten Bildschirm) – und kann an jedem Ort der Welt arbeiten. Auch am Strand auf Hawaii ;-) Hauptsache es gibt ein gut funktionierendes WLAN.



Foto: Marion Hellweg



Welches war bisher Dein spannendstes Projekt?

Für mich sehr aufregend war, als ich 2014 mein erstes eigenes Wohnmagazin auf den Markt gebracht habe. Ich habe alles selbst gemacht: vom Layout bis zu Bildredaktion, von der Recherche bis hin zu den Texten. Und was mir ganz wichtig war: Ich habe nicht versucht, ein anderes Magazin zu kopieren, sondern ich wollte etwas komplett eigenes machen. Ich habe auf mein eigenes Bauchgefühl gehört und ein völlig neues Magazin erschaffen, das es so vorher nicht auf dem Markt gegeben hat. (Und darauf bin ich noch heute stolz.)

Da blieb es nicht lange aus, dass andere Verlage auf mich aufmerksam wurden. Ich habe Sweet Living bis 2017 selbst herausgegeben – und dann (zusammen mit meinem stillen Teilhaber) an einen anderen Verlag übergeben, um mich neuen Projekten widmen zu können.


Was gefällt dir besonders gut an deiner Arbeit?

Dass sie so vielseitig ist. Und ich immer wieder Neues sehe und entdecke. Normalerweise bin ich auch viel auf Reisen und auf vielen Presse-Events, was in den vergangenen zwei Jahren aus bekannten Gründen ja nicht möglich war. Aber ich hoffe, das wird jetzt wieder anders. Denn ich brauche den Austausch mit anderen kreativen Köpfen (z.B. Kollegen/innen, Interior und Möbel Designern/innen, etc.), um mich weiterentwickeln zu können.



Foto: Marion Hellweg


Gibt es auch Schattenseiten?

Wäre ja utopisch, wenn nicht! Es gibt in jedem Beruf Zeiten und Momente, wo man sich ausgebrannt und unmotiviert fühlt. Bei mir ist es oft so, dass sich das Hamsterrad des Arbeitsalltags zu straff um sich selbst dreht und ich das Gefühl habe, von meinem Schreibtisch nicht ausbrechen zu können. Ich möchte mich frei fühlen, denn nur dann kann ich kreativ sein. Aber ich habe ständig Abgabetermine, die ich einhalten muss – und das setzt mich natürlich zeitlich unter Druck.


Mit welchem Designer oder Stylisten würdest du gerne mal Essen gehen?

Oh, da gibt es einige! Und ich hatte auch schon das Vergnügen, viele tolle Menschen persönlich kennenzulernen, wie z.B. Philippe Starck, Piero Lissoni und Zaha Hadid.

Essen gehen würde ich gerne mal mit Bjarke Ingels und Iris Apfel.

Lieben Dank Marion für das schöne Interview.



Foto: Sarah Domandl / Saripicture

Marion Hellweg, Journalistin, Autorin und Inhaberin des Magazins "LIVING & more".





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