DAS Journal

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MONTAGSREIHE.

Einblicke in kreative Berufswelten.


Ich freue mich riesig, dass die Montagsreihe so gut bei euch ankommt. Daher gibt es Nachschub mit der dritten Folge.

Über diesen Beitrag freue ich mich ganz besonders. Für mich ist sie eine der "Grande Dames" der Interior Design Szene aus Mannheim. Die Rede ist von Stefanie Ebert von SE Interior. Ich selbst durfte sie und auch Ihren feinen und ästhetischen Stil schon kennen lernen.


Aber lest selbst, wie Stefanie als Quereinsteigerin ihren Weg gefunden hat und welche Tipps sie für euch hat.





Liebe Stefanie, bitte erzähle uns kurz etwas über dich.

Ich bin 47 Jahre alt und wohne zusammen mit meinem Partner Jan und unserer Tochter Felipa in einer 160qm großen Altbauwohnung in einer der - wie ich finde - schönsten Straßen Mannheims.


Kannst Du uns ein wenig zu deinem beruflichen Werdegang sagen?

Ich arbeite als selbstständige Interior Designerin und bin Quereinsteigerin. Zu Beginn habe ich nebenberuflich Privatpersonen zu ihrer Einrichtung beraten. Vorher habe ich Betriebswirtschaft, Amerikanistik und Kommunikation studiert und eine klassische Karriere im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gemacht. 2018 habe ich beschlossen, den Sprung zu wagen und meine Leidenschaft zum Hauptberuf gemacht.


Wie bist du dazu gekommen?

Schon während meiner Kindheit kam ich exzessiv mit Stoffen und Design in Berührung, da meine Mutter ein eigenes Schneider-Atelier besaß. Farben, Muster und Schnitte waren also schon sehr früh präsent in meinem Leben. Außerdem hatten meine Eltern ein Faible für dänisches, zeitlos-klassisches Möbel-Design und waren auch so eingerichtet. Ich denke, das hat ganz automatisch zu meiner Interior Liebe geführt.





Hast Du das Gefühl, dass Deine Ausbildung etwas mit Deinem Beruf zu tun hat?

Ich kann heute meine in Theorie und Praxis erlernten Fähigkeiten sehr gut in meine Arbeit einfließen lassen. Meinen Kunden die volle Aufmerksamkeit zu schenken, gut zuzuhören, Wünsche zu analysieren und verschiedene Perspektiven auf den Punkt zu bringen - das ist auch etwas, was in der Kommunikation mit zu einer erfolgreichen Arbeit beiträgt. Meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse kamen mir bei der Gründung meines Unternehmens FIRST FLOOR no. 5 zugute und sicher hat auch meine Studienzeit an der US-Ostküste dazu beigetragen, dass ich gerne neue Menschen kennenlerne und mich gut auf sie einlassen kann. Gerade beim Interior Design ist es ja wahnsinnig wichtig, persönliche Bedürfnisse zu verstehen und sie in Wohnen und Leben zu übertragen.


Welche Fähigkeiten benötigt man, um als Interior Designerin zu arbeiten?

Das Gespür für Räume, Licht, Formen, Architektur und die Wirkung von Farben, Formen und Proportionen liegt mir einfach im Blut. Das sind schon einmal wichtige Voraussetzungen, um als Interior Designer zu arbeiten. Die Fähigkeit intuitiv einen Raum zu erkennen und das Beste aus ihm herauszuholen habe ich durch ein Fernstudium des Interior Designs an einem kleinen College in den USA ergänzt. Gerade was Architekturgeschichte, Materialkunde und Lichtplanung angeht, wollte ich mir eine solide Basis aneignen.



Einblick in die FIRST FLOOR no. 5 von Stefanie.



Wie kommst Du an neue Projekte?

Die meisten Anfragen bekomme ich tatsächlich über Instagram. Oft sind es Menschen, die mir schon eine Weile folgen und meine Arbeit und meine Ästhetik mögen. Irgendwann haben Sie Bedarf an einer Interior Beratung und erinnern sich an mich. Die Menschen, die in die FIRST FLOOR no. 5 - meinen Showroom - kommen, sei es als Kund:innen oder Gäste von Menschen, die dort für eine Weile wohnen (der Showroom ist eine komplett eingerichtete Wohnung, die man wochenweise mieten kann), möchten nach ihrem Besuch oft auch ein Stückchen der besonderen Atmosphäre bei sich zu hause haben und sprechen mich auf meine Beratung an. Und dann sind es Weiterempfehlungen und mittlerweile auch Zweit- und Drittaufträge von Kund:innen, die mit meiner Arbeit zufrieden waren und mich beim nächsten Mal wieder engagieren. Das freut mich dann natürlich besonders. So entstehen langfristige und sehr schöne Beziehungen.


Wie beginnst Du mit einem neuen Projekt?

Am Anfang steht immer ein sehr ausführliches Gespräch mit meinen Kund:innen, denen ich viele Fragen stelle. Dabei geht es nicht nur um Wünsche und Vorlieben im Interior Bereich und Ihre Lebens- und Living-Gewohnheiten, sondern auch um Orte und Dinge, die sie nachhaltig beeindruckt haben oder mit denen sie eine besondere Erinnerung verbinden - Landschaften, kulinarische Erfahrungen, Kunst, Hotels, Musik, Ihre Lieblings-Modelabels. So versuche ich so viel möglich über meine Gegenüber in Erfahrung zu bringen. Was spricht sie an, von was fühlen sie sich angezogen, von was nicht. Interior hat ja sehr viel mit Emotionen zu tun - ob ich mich in einem Raum wohl fühle oder nicht, läuft zum Großteil unterbewusst ab und steht in engem Zusammenhang mit unseren Lebens-Erfahrungen.



Einblick in die FIRST FLOOR no. 5 von Stefanie.



Mit welchen Tools arbeitest Du?

Ich arbeite als Designerin natürlich einerseits sehr kreativ und damit auch intuitiv, andererseits aber auch sehr systematisch - auch etwas, das ich aus meiner früheren Arbeit mitgenommen habe. Am Anfang steht eine Konzeptbeschreibung, die sich aus dem vorher Besprochenen ergibt. Oft gehören dazu in einem nächsten Schritt Farb- und Materialkonzepte, die je nach Projekt im Umfang variieren können. Diese stelle ich sowohl digital als auch - und das ist ein ganz wichtiger Teil - ganz praktisch dar. Ich stelle solange Muster von Teppichen, Stoffen und anderen Materialien immer wieder neu zusammen, bis sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt und ich das Gefühl habe, nichts mehr wegnehmen oder hinzufügen zu müssen. Ein zentrales Tool, in das die Konzeptarbeit mündet, sind für mich Styleboards - im Prinzip Bild-Collagen für den Look & Feel einer Einrichtung oder einzelner Räume, die dann schon sehr konkrete Produkte visuell miteinander abbilden, um den Kund:innen ein möglichst genaues Bild vom Miteinander der einzelnen Gegenstände im Raum zu geben. Für Grundrissplanungen 2- und 3-D Darstellungen arbeite ich mit dem pCon.planner - also alles in allem sehr hands on.


Welches war bisher Dein spannendstes Projekt?

Die Aufträge meiner Kund:innen sind alle sehr schön und spannend gewesen, da kann ich gar keins so richtig herauspicken. Aber mein liebstes, spannendstes und vor allem auch erfahrungsreichstes Projekt war die Konzeption und Umsetzung der FIRST FLOOR no. 5, ein 98qm großes Apartment in einem Jugendstil-Altbau mitten in Mannheim. Mein Mann und ich haben die Wohnung schon vor einigen Jahren gekauft und vor drei Jahren habe ich einen lang gehegten Traum umgesetzt, sie komplett saniert und zu einem „home away from home“ für Menschen gemacht, die eine Bleibe auf Zeit suchen. Außerdem nutze ich die Räume als Showroom für meine Arbeit und vermiete ich sie auch als Foto-Location. Sie sind komplett in einer Mischung aus flämischem und dänischem Stil eingerichtet und stehen auch für meinen persönlichen Stil - zeitlos klassisch und lässig-elegant.





Was gefällt dir besonders gut an deiner Arbeit?

Die Begegnungen mit immer wieder neuen Menschen empfinde ich als sehr bereichernd. Wir kommen in Kontakt, weil mein Stil sie anspricht - daher gibt es in den meisten Fällen von Anfang an eine Verbindung - egal, ob es andere Designer:innen oder Kund:innen sind - es ist schön, sich gegenseitig zu inspirieren und andere dabei zu unterstützen das eigene Zuhause meiner Kund:innen zu einem Ort der Geborgenheit und Wärme, zu einer Zuflucht und einem sicheren und gleichzeitig auch kommunikativen Ort zu machen - die Rückmeldungen, die ich dazu bekomme erfüllen mich mit großer Freude und Dankbarkeit.

Ich liebe es außerdem, mich von Orten, Interiors, Fashion und Menschen inspirieren zu lassen und sauge alles auf, was sich mit Ästhetik und allen Sinnen beschäftigt.

Als selbständig Arbeitende bedeutet es zwar oft auch am Wochenende zu arbeiten, dafür kann ich mir aber meine Zeit wesentlich freier einteilen als ich das als Angestellte konnte - das habe ich sehr zu schätzen gelernt.


Gibt es auch Schattenseiten?

Ehrlich gesagt nein. Meine Arbeit macht mich wirklich sehr glücklich.





Mit welchem Designer oder Stylisten würdest du gerne mal Essen gehen?

Robert Hughes.



Stefanie Ebert, Inhaberin von SE Interior.


Lieben Dank Stefanie für das schöne Interview.

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